Energie sparen: 6 kreative Möglichkeiten, den Verbrauch zu senken ohne Kosten

Energie sparen muss nicht wehtun und kostet oft keinen Cent. Der größte Hebel im Haushalt ist die Heizung: Rund 70 Prozent des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen deutschen Haushalts entfallen aufs Heizen, nur etwa 15 Prozent auf Warmwasser und der Rest auf Strom. Wer also spürbar sparen will, setzt zuerst bei der Wärme an – und nimmt Strom, Einkauf und Mobilität als Ergänzung mit.

Deshalb zeigen wir Ihnen auf unserem Blog “einfach Grünlich” heute 6 konkrete Möglichkeiten plus drei Extra-Tipps, wie Sie Ihren Verbrauch senken – mit Zahlen, mit denen Sie rechnen können, statt mit vagen Ratschlägen. Die meisten Maßnahmen sind kostenlos, einige rechnen sich innerhalb weniger Monate.

Wichtig vorweg: Nicht jeder Tipp passt zu jeder Wohnsituation. Wer zur Miete wohnt, kann selten die Dämmung ändern, aber sofort Heizkörperthermostate tauschen. Wer ein Haus besitzt, hat mehr Stellschrauben. Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie die folgenden Punkte durchgehen.

1. Nutzen Sie natürliches Licht: Schalten Sie unnötige Lampen aus und nutzen Sie Tageslicht, wo immer möglich

Beleuchtung macht in einem Privathaushalt nur etwa 8 bis 10 Prozent des Stromverbrauchs aus – trotzdem lohnt der Blick. Stellen Sie Schreibtisch und Leseecke ans Fenster, statt tagsüber die Deckenlampe zu brauchen. Helle Wandfarben und ein Spiegel gegenüber dem Fenster erhöhen die Helligkeit spürbar, ohne dass Sie eine einzige Lampe einschalten.

Wo Sie doch Kunstlicht brauchen, gilt: konsequent ausschalten, wenn Sie den Raum verlassen. Der alte Merksatz “Häufiges Ein- und Ausschalten schadet” stimmt bei modernen LED nicht mehr – Sie dürfen sie beim kurzen Rausgehen bedenkenlos ausknipsen. Ein Bewegungsmelder für Flur, Keller und Treppenhaus (etwa 10 bis 25 Euro) verhindert vergessenes Dauerlicht ganz automatisch.

2. Gruppieren Sie elektrische Geräte zusammen: Dies ermöglicht eine effektive Steuerung der Stromversorgung

Der größte unsichtbare Stromfresser ist der Standby-Betrieb. Ein deutscher Durchschnittshaushalt verliert dadurch rund 300 bis 400 Kilowattstunden im Jahr – bei etwa 35 Cent pro Kilowattstunde sind das gut 100 bis 140 Euro, die für nichts draufgehen. Ein Router zieht dauerhaft 8 bis 15 Watt, eine Spielekonsole im Ruhemodus bis zu 10 Watt, ein alter Röhren-Verstärker deutlich mehr.

Die einfachste Lösung: Fassen Sie zusammengehörende Geräte an einer Steckdosenleiste mit Kippschalter zusammen (2 bis 8 Euro). Fernseher, Soundbar, Konsole und Streaming-Box hängen an einer Leiste, die Sie abends mit einem Griff komplett abschalten. Am Arbeitsplatz kommen Monitor, Drucker und Ladegeräte an eine zweite. Ausnahme: Der Router bleibt in vielen Haushalten sinnvollerweise an, weil Neustarts lange dauern und andere Geräte darauf zugreifen. Wählen Sie also bewusst, was wirklich vom Netz darf.

3. Installieren Sie Energiesparprodukte: Investieren Sie in Energiesparlampen, LED-Leuchten und andere energieeffiziente Geräte

Bei Leuchtmitteln ist die Sache heute eindeutig: LED schlägt die alte Energiesparlampe (CFL) in fast jeder Hinsicht. Eine LED verbraucht rund 80 bis 90 Prozent weniger Strom als die verbotene Glühbirne, hält 15.000 bis 25.000 Betriebsstunden, wird sofort hell und enthält kein Quecksilber. Die klassische Energiesparlampe braucht dagegen Sekunden zum Aufhellen und muss als Sondermüll entsorgt werden.

KriteriumGlühbirne (alt)Energiesparlampe (CFL)LED
Leistung für ~800 Lumenca. 60 Wattca. 15 Wattca. 8–9 Watt
Lebensdauer~1.000 Stunden~10.000 Stunden15.000–25.000 Stunden
Volle Helligkeitsofortverzögert (Sekunden)sofort
EntsorgungRestmüllSondermüll (Quecksilber)Elektroschrott, kein Quecksilber
Preis pro Stücknicht mehr erhältlichca. 3–6 €ca. 2–8 €

Bei großen Geräten lohnt der Blick aufs neue EU-Energielabel, das seit März 2021 wieder die Skala A bis G nutzt. Ein Kühlschrank läuft rund um die Uhr – hier zahlt sich eine sparsame Klasse am schnellsten aus. Tauschen Sie aber nicht vorschnell: Ein funktionierender 8 Jahre alter Kühlschrank verursacht in der Herstellung des neuen Geräts erst einmal CO2. Ersetzen Sie gezielt echte Stromfresser, etwa Kühl- und Gefriergeräte, die 15 Jahre und älter sind.

4. Passen Sie Ihren Lebensstil an: heizen Sie Ihr Zuhause nicht unnötig auf, trinken Sie wärmere Getränke, heizen Sie die Räume nicht alle gleichzeitig auf

Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart rund 6 Prozent Heizenergie. Wer von 22 auf 20 Grad heruntergeht, senkt seine Heizkosten also um gut 12 Prozent – ohne echten Komfortverlust, wenn Sie einen Pullover anziehen. Als Richtwerte gelten: Wohnzimmer 20 bis 22 Grad, Küche 18 bis 20 Grad, Schlafzimmer 16 bis 18 Grad.

Heizen Sie nicht alle Räume gleichzeitig auf gleiche Temperatur. Halten Sie aber die Türen zwischen warmen und kühlen Räumen geschlossen, sonst zieht die feuchte Luft ins kalte Schlafzimmer und begünstigt Schimmel. Öffnen Sie tagsüber die Vorhänge auf der Sonnenseite, abends schließen Sie sie – Vorhänge und Rollläden reduzieren den Wärmeverlust über die Fenster spürbar.

Beim Lüften gilt Stoßlüften statt Dauerkippen: Fenster für 5 bis 10 Minuten weit öffnen, im Winter reichen 4 bis 6 Minuten, dabei die Thermostate herunterdrehen. Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt Wände und Fensterlaibung aus und kostet über den Winter deutlich mehr Energie. Freie Heizkörper sind ebenfalls Pflicht – ein Sofa oder lange Vorhänge davor können den Wärmeabgabe um bis zu 20 Prozent senken.

5. Regeln Sie Ihre Thermostate: Ein Programmierthermostat kann den Energieverbrauch senken, indem er die Temperatur anzupassen, wenn niemand da ist

Programmierbare Heizkörperthermostate kosten pro Stück etwa 15 bis 60 Euro und lassen sich in wenigen Minuten selbst montieren – meist genügt es, das alte Drehventil abzuschrauben und das neue mit einer Überwurfmutter zu befestigen. Sie senken nachts und während Ihrer Arbeitszeit automatisch ab, zum Beispiel auf 17 Grad, und heizen kurz vor dem Aufstehen oder Heimkommen wieder hoch.

Ein häufiges Missverständnis: Es spart nicht, die Heizung tagsüber komplett auszuschalten und abends voll aufzudrehen. Ausgekühlte Wände kosten beim Wiederaufheizen mehr Energie, als eine moderate Absenkung auf 16 bis 17 Grad einspart. Halten Sie die Temperatur also nur ab, statt sie ganz abzustellen. Wichtig ist auch die Platzierung des Thermostatfühlers – hängen Vorhänge davor oder steht ein Möbelstück im Weg, misst das Gerät falsch und regelt am Bedarf vorbei.

Hierzu werden wir demnächst einen eigenen Beitrag zum Thema “smarte Haussteuerung hilft beim Energiesparen” veröffentlichen.

6. Nutzen Sie Energiesparprogramme: Informieren Sie sich über Energiesparprogramme, die in Ihrer Gegend verfügbar sind. Solche Programme können oft finanzielle Vorteile bringen.

In Deutschland gibt es die kostenlose Energieberatung der Verbraucherzentrale. Der Basis-Check ist für einkommensschwache Haushalte gratis, andere Checks sind dank Förderung stark vergünstigt. Termine buchen Sie online oder telefonisch, viele Beratungsstellen bieten auch Vor-Ort-Termine in der eigenen Wohnung an.

Für größere Maßnahmen wie eine neue Heizung oder Dämmung fördert die staatliche KfW und das BAFA mit Zuschüssen und günstigen Krediten. Prüfen Sie außerdem den Bonus für den Tausch alter Kühlgeräte, den manche Kommunen und Stadtwerke anbieten. Bevor Sie eine größere Anschaffung tätigen, lohnt der Anruf beim örtlichen Versorger – oft gibt es Zuschüsse, von denen viele Kundinnen und Kunden schlicht nichts wissen.

Extra-Tipp: Kaufen Sie nachhaltiger ein

Regionale und saisonale Lebensmittel sparen die Energie für Transport und beheizte Gewächshäuser. Konkret: Tomaten aus dem beheizten Gewächshaus im Winter verursachen ein Vielfaches der Emissionen von Freilandtomaten im Sommer. Achten Sie beim Onlinehandel darauf, Bestellungen zu bündeln statt Einzelpakete zu ordern, und verzichten Sie auf Express-Versand, der besonders viele Leerfahrten verursacht.

Produkte aus recycelten Materialien benötigen bei der Herstellung deutlich weniger Energie – Recycling-Aluminium zum Beispiel spart gegenüber Neuware rund 95 Prozent Energie, Recyclingpapier rund 60 Prozent Wasser und Energie. Trennen Sie Ihren Müll konsequent, damit diese Wertstoffe überhaupt wieder in den Kreislauf gelangen.

Extra-Tipp: Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel

Ein Pkw stößt im Schnitt rund 150 Gramm CO2 pro Personenkilometer aus, ein vollbesetzter Reisebus oder ein Nahverkehrszug deutlich weniger. Mit dem Deutschlandticket für aktuell 58 Euro im Monat fahren Sie bundesweit durch den gesamten Nahverkehr – für Pendler oft günstiger als Sprit und Parkplatz zusammen. Für kurze Strecken unter 5 Kilometern ist das Fahrrad meist ohnehin die schnellste Option, weil Parkplatzsuche und Stau entfallen.

Die Fahrtzeit lässt sich zudem sinnvoll nutzen – zum Lesen, Arbeiten oder Entspannen, statt sich durch den Berufsverkehr zu ärgern. Wer nicht ganz aufs Auto verzichten kann, prüft Fahrgemeinschaften oder Carsharing als Zwischenlösung.

Extra-Tipp: Behalten Sie Ihren Verbrauch mit einer Energie-App im Blick

Wer seinen Verbrauch nicht misst, kann ihn kaum senken. Der einfachste Einstieg ist ein Strommessgerät für die Steckdose (etwa 10 bis 20 Euro): Damit finden Sie in einem Nachmittag die echten Stromfresser im Haushalt und sehen schwarz auf weiß, was der alte Gefrierschrank oder der Wäschetrockner wirklich zieht.

Wer einen digitalen Stromzähler (Smart Meter) hat, kann den Verbrauch tages- und stundengenau in der App des Netzbetreibers ablesen. Notieren Sie einmal im Monat Ihren Zählerstand – schon dieser simple Rhythmus macht Ausreißer sichtbar und motiviert erfahrungsgemäß mehr als jede App-Statistik.

Unsere Empfehlung: Wo Sie zuerst anfangen sollten

Wenn Sie nur eine Sache umsetzen: Kümmern Sie sich um die Heizung, denn dort liegt der größte Hebel. Ein Grad weniger und freie Heizkörper kosten nichts und wirken sofort. Als Mieter investieren Sie danach in programmierbare Heizkörperthermostate – die 15 bis 60 Euro pro Stück haben Sie über eine Heizperiode meist wieder drin.

Nicht nötig ist der überstürzte Austausch funktionierender Geräte: Einen fünf Jahre alten Kühlschrank durch ein neues Modell zu ersetzen, rechnet sich ökologisch selten. Und wer bereits alles auf LED umgestellt und Standby im Griff hat, holt beim Licht kaum noch etwas heraus – hier lohnt der Aufwand dann nicht mehr.

Häufige Fehler beim Energiesparen

  • Fenster dauerhaft kippen: kühlt die Wände aus und kostet über den Winter mehr Energie als kurzes Stoßlüften.
  • Heizung tagsüber ganz abstellen: Das Wiederaufheizen ausgekühlter Räume verbraucht mehr, als die Absenkung spart.
  • Alle Geräte in den Standby schicken statt abschalten: Standby ist kein Aus – über das Jahr summiert sich das auf über 100 Euro.
  • Möbel oder Vorhänge vor Heizkörpern: blockieren die Wärme und lassen die Heizung länger laufen.
  • Funktionierende Geräte vorschnell ersetzen: Die Herstellung eines neuen Geräts verursacht zunächst zusätzliche Emissionen.

FAQ: Häufige Fragen zum Energiesparen

Wie viel spart ein Grad weniger Heizung wirklich?
Etwa 6 Prozent Heizenergie pro Grad. Bei einer Jahresheizkostenrechnung von 1.200 Euro sind zwei Grad weniger also rund 140 Euro Ersparnis.

Lohnt sich der Wechsel von Energiesparlampen auf LED, obwohl die alten noch funktionieren?
In viel genutzten Räumen ja, weil LED nochmals rund 40 bis 50 Prozent weniger Strom brauchen und die Lampe länger hält. In selten genutzten Räumen wie dem Keller können Sie die vorhandene Lampe ruhig aufbrauchen.

Verbraucht ein Router im Standby wirklich viel?
Ein Router läuft dauerhaft und zieht 8 bis 15 Watt, über das Jahr also rund 70 bis 130 Kilowattstunden. Ihn nachts abzuschalten spart, ist aber unpraktisch – sinnvoller ist es, andere Standby-Geräte konsequent vom Netz zu nehmen.

Kann ich als Mieter überhaupt viel tun?
Ja. Thermostate tauschen, Stoßlüften, Standby abschalten, LED einsetzen und die kostenlose Energieberatung der Verbraucherzentrale nutzen – all das geht ohne Zustimmung des Vermieters und ohne bauliche Veränderung.

Wo bekomme ich neutrale Beratung?
Bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Der Basis-Check ist einkommensabhängig kostenlos, weitere Checks sind gefördert und günstig. Für größere Maßnahmen fördern KfW und BAFA mit Zuschüssen.

Kreativität ist ein Schlüssel, um die bestmögliche Balance zwischen Umweltschutz und Ihrem gewünschten Lebensstil zu finden. Auf unserem Blog finden Sie regelmäßig weitere Artikel, wie Sie Ihren Alltag grüner machen und dabei bares Geld sparen.

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